English

„Who’l Ride ?“

The  South  Sea  Bubble

oder

300  Jahre  staatliche  Schulden-Spekulation

Hogarth, William (1697 London 1764). Emblematical Print of the South Sea. Gedenkblatt auf die Spekulationsfreudigkeit des Volkes in Zusammenhang mit dem weltweiten Aktienschwindel der South Sea Bubble (1711-1720) und der gleichzeitigen Mississippi Bubble des John Law. Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). Bezeichnet: Hogarth pinxt. / T. Cook sculp. / Published by Longman, Hurst, Rees & Orme, Aug 1st. 1809., ansonsten wie vor. Bildgröße 14,5 x 19 cm.

Das  reiche  Szenarium  menschlichen  Taumels ,

goldenen  Versprechens , Lottery  Fortunes ,

und  der  Verkehrung  der  Werte  der  Zivilisation :

„ See here ye. Causes why in London, / So many Men are made & undone, / That Arts, & honest Trading drop, / To Swarm about ye. Devils shop, (A) / Who Cuts out (B) Fortunes Golden Haunches,

Trapping their Souls with Lotts & Chances, / Shareing em from Blue Garters down / To all Blue Aprons in the Town. / Here all Religions flock together, / Like Tame & Wild Fowl of a Feather,

Leaving their strife Religious bustle, / Kneel down to play at pitch & Hussle, (C) / Thus when the Sheepherds are at play, / Their flocks must surely go Astray, / The woeful Cause yt. in these times,

(E) Honour, & (D) honesty, are Crimes, / That publickly are punish’d by / (G) Self Interest, and (F) Vilany; / So much for monys magick power / Guess at the Rest you find out more. “

William Hogarth, Emblematical Print of the South Sea

Links Guildhall mit der Statue des Gog oder Magog und der darunter an den Haaren aufgehängten Fortuna, vom Teufel mit der Sense scheibchenweise unters Volk geworfen („the Devil cutting Fortune into collops“, Walpole), rechts der monumentale Fuß des Denkmals zum großen Feuer von London nebst sich begeifernden Füchsen, indes mit der Gelegenheit angepaßter Inschrift:

„ This  Monument  was  errected

in  Memory  of  the  Destruction  of  this  City

by  the  South  Sea  in  1720 “.

Im Mittelpunkt aber in Anlehnung an Callot’s Galgenbaum aus den Grandes misères de la guerre das von einer Ziege und der Aufschrift „Who’l Ride“ gekrönte Glücksrad als Karussell mit Holzpferden, auf dem Vertreter aller Klassen – Hure, Geistlicher, Schuhputzer, altes Weib, Edelmann – ihrem vermeintlich sicheren Glück nachjagen. Gegenstück hierzu hinter Guildhall die unter einem Hirschgeweih zur Verlosung von mit Lotterie-Vermögen ausgestatteten Ehemännern anstehenden Damen der Gesellschaft. Im Hintergrund schließlich die Kuppel von St. Paul. Auf dem Boden vor dem Glückkarussell wird im Beisein eines anglikanischen Priesters die entblößte Ehrlichkeit vom Eigennutz auf dem Rad gebrochen, rechts am Schandpfahl vor dem Monument peitscht die Schurkerei – die Maske ist gefallen, die Pistole des Straßenräubers schaut aus der Tasche – die Ehrsamkeit, deren Mantel sich ein danebenstehender Affe mit Zweispitz und Säbel als Allegorie des Vortäuschens aneignet. Ganz links schließlich gehen, unberührt vom allgemeinen Tumult, je ein Katholik, Jude und Puritaner ihrem eigenen Glücksspiel nach. Der Handel als Quelle tatsächlichen Reichtums hingegen ruht unbeachtet vorne rechts oder ist bereits verschieden.

Die Volksmenge in Hogarth’s in der Royal Library, Windsor, befindlichen 1721er Vorzeichnung übrigens nur angedeutet und erst im Stich ausgearbeitet als

„ ein  erster  Blick  auf  Hogarth’s

lebhafte  Charakterisierung  täglichen  Lebens “

(Lawrence Gowing im 1972er Ausstellungskatalog der Tate Gallery, Nr. 2).

Wobei die Klügeren unter den Zeitgenossen das Unreelle der Verschiebung nur noch schwer und zu hohen Zinsen unterzubringender Staatsanleihen auf die einzig zu diesem Zweck errichtete South Sea Company – das unermeßliche Gewinne versprechende, tatsächlich aber nur ein Schiff pro Jahr erlaubende Handelsmonopol mit den spanischen Kolonien in Südamerika war lediglich Fassade für das zahlende Publikum – von Anfang an erkannten. So war denn Robert Walpole, der nach dem Platzen der Spekulationsblase als langjähriger First Lord of the Treasury England zur Prosperität zurückführte, erklärter Gegner der Manipulationen. Was ihn freilich nicht hinderte, an der Spekulation teilzunehmen und durch rechtzeitigen Verkauf seinen Vorteil daraus zu ziehen und späterhin einige der Hauptverantwortlichen vor Strafe zu bewahren – der Schuldturm blieb, wie stets, vornehmlich den kleinen Schuldnern vorbehalten. Und auch Lady Churchill, Duchess of Marlborough, hatte sich nicht blenden lassen:

„ 1720 entzündete, verbrannte und versengte die erstaunliche Episode der South Sea Bubble die Londoner Gesellschaft. Sarah mit ihrem beinahe widerwärtig gesunden Menschenverstand drängte den Herzog vor dem Kollaps aus dem Markt und fügte zu dem Vermögen, welches beide angesammelt hatten, £100.000 hinzu. Keineswegs war dies weibliche Intuition. In einem beißenden Brief schrieb sie, während ganz England von der Spekulation behext war,

‚ Jeder  Sterbliche , der  gesunden  Menschenverstand  hat

oder  der  etwas  von  Zahlen  versteht , erkennt ,

daß  es  bei  allen  Künsten  und  Tricks  der  Welt  nicht  möglich  ist ,

mit  £ 15.000.000  in  bar  längere  Zeit

£ 400.000.000  in  offenen  Wechseln  zu  halten .

Das  läßt  mich  glauben ,

daß  dieses  Projekt  binnen  kurzem  platzen

und  in  Nichts  zerfallen  muß ‘ “

(Winston S. Churchill, Marlborough: His Life and Times [Chicago 2002], vol. II, pp. 1032 f.)

So, wie drei Jahrhunderte später die Weitsichtigeren sich wiederum nicht betören ließen von den Sirenenklängen unermeßlichen Wachstums und beizeiten erkannten, daß sich weder eine Währung über ein Fundament durchaus gegensätzlicher finanz- und wirtschaftspolitischer Kulturen stülpen lasse noch diese dann durch eine immer schneller galoppierende Staatsschuldenreiterei zu retten sei, die – nicht anders als nach Platzen von South Sea, Mississippi und anderen Blasen – schlußendlich von der breiten Masse des Volkes zu bezahlen sein wird.

Heute wie gestern:
300 Jahre Schulden-Spekulation auf Kosten des Volkes

Hogarth’ South Sea Scheme im übrigen – so Paulson – nicht allein

„ die  erste  Bubble-Graphik  eines  englischen  Künstlers “

sondern generell den Beginn satirischer Druckgraphik in England markierend :

„ die  englische  graphische  Satire  beginnt  tatsächlich  mit

Hogarth’s  Emblematical  Print  on  the  South  Sea  Scheme “

(John J. Richetti, in The Cambridge History of English Literature, 1660-1780, S. 85).

In  der  reichen  Palette  von  Geschehen  +  Anspielungen

aber  bereits  ein  ganzer  Hogarth

wie so von dem einige Jahre später geschaffenen, kompositorisch indes weniger kraftvollen Gegenstück The Lottery nicht erreicht. – Cook „machte sich auch einen Namen als Hogarth-Stecher, dessen vollständiges Werk er … nachgestochen hat“ (Thieme-Becker) und dessen Ursprungsformat er im Gegensatz zu allen späteren Hogarth-Ausgaben in seiner ersten, früheren Ausgabe beibehielt. Für einige von Hogarth nicht selbst veröffentlichte Blätter wurde Cook zu deren Erststecher, wie er denn auch den Beifall eines zeitgenössischen Kenners wie Maximilian Speck von Sternburg fand. Hier indes vorliegend in seiner volkstümlichen späteren, kleineren Fassung ohne Hogarth’s erläuternde Verse. – Innerhalb des namentlich rechts schwach fleckigen breiten weißen Plattenrandes geschnitten.

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“ Sir, yes, (the Rubens) is closer to the one in London (recte Dresden), but the one we have is on copper. Thank you for your time. Highest regards, D… A… (and yes America could use a blessing about now) ”

(Mr. D. A., November 4, 2003)