„ Dramatische Komposition +
meisterhafte physiognomische Charakterschilderung “
aber auch
des Felix bildgewordenes Malheur
als ein Schauvergnügen besonderer Art
Hogarth, William (1697 London 1764). Paul before Felix. Die Gerichtsverhandlung gegen den Apostel Paulus vor Felix, dem römischen Prokurator Judäas. Ankläger ist der Advokat Tertullus. 2 Blatt. Kupferstiche von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). 1799 bzw. 1803. Bezeichnet: Painted by Wm. Hogarth bzw. Design’d and scratch’d in the true Dutch taste by W. Hogarth. / Engrave(’)d by T. Cook, ansonsten wie vor. 27,7-41,7 x 36,7-53,3 cm.

„ Die großen religiösen Bilder H.s sind nicht nur beachtenswerte Leistungen auf einem der ganzen Richtung seiner Begabung fernliegenden Gebiet, sondern auch Zeugnisse der Vielseitigkeit und Beweglichkeit seines Geistes.
Am meisten Interesse beansprucht darunter wohl das Gemälde
‚ Paulus vor Felix ‘
… nicht nur wegen seiner dramatischen Komposition, sondern auch wegen der meisterhaften physiognomischen Charakterschilderung … “
(Thieme-Becker XVII, 302/2).
Format und Bildwirkung entsprechend den Originalen – zum einen Öl, zum andern Zeichnung – differierend, wie in späteren Hogarth-Ausgaben nicht mehr gegeben. Wie Cook – „machte sich auch einen Namen als Hogarth-Stecher“, Thieme-Becker – auch als einziger noch H’s. Folioformat beibehielt. Das Eingangsblatt nach dem Gemälde – And as he reasoned of righteousness, temperance, and Judgment to come, Felix trembled – in malerisch-kräftiger Strichführung, die Fortsetzung – Tertullus mit dem „Gesicht eines Sachwalters, der einen Proceß verloren hat … zerreißt im Ärger seine Klagschrift“, Lichtenberg, doch auch Paulus steht nicht so fest, wie es scheint, ist doch sein Schutzengel entschlummert, indes ein Teufelchen ein Schemelbein durchsägt – von der Zartheit einer Zeichnung. Beiden Blättern gemeinsam aber die herrliche Druckqualität, ihr prächtiges Hell-Dunkel.

Thematisch von Lichtenberg des weiteren im übrigen wie folgt kommentiert:
„ Hinsichtlich der Juden ist das Costüm … getreulich bewahrt. Tertullus ist dagegen als moderner Advocat, und zwar als ein englischer, in Perücke und Gown gekleidet … Das Publikum … niederländisch … An der Thüre steht die Gerechtigkeit mit der Waage (zwar) als fette und wohlgenährte Dame mit einem wohlgefüllten Geldsack an der Seite(, doch zugleich per Krummdolch personifizierter Scharfrichter). Die Binde, welche ihr sonst die Augen bedeckt, hat sich verschoben … Die Predigt des Paulus hat bei (Felix) durch eingeflößten Schrecken eine Wirkung … gehabt; die neben und unter ihm sitzenden halten sich die Nase zu … die Assessoren des Gerichts … müssen, um nach ihren Gesichtern und nach den zugehaltenen Nasen zu schließen, die meiste Belästigung von des Felix Schrecken empfinden. Der Eine weist mit einer spöttischen Miene zu dem Römer hinauf … “
Blatt 1 links innerhalb des Plattenrandes geschnitten, unten unter Anschnitt der Adresse Robinson’s. Der gleichfalls, doch ohne Schrifttangierung beschnittene Oberrand etwas knitterig und mit alten Heftspuren. Gestochen übrigens nach dem 1. Zustand, also noch ohne Felix’ Frau.
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– – – Dasselbe in Hogarth’s Eigen-Kupferstichen. 2 Blatt. Bezeichnet: Paul before Felix. / Plate 1. / Design’d & Etch’d in the rediculous manner of Rembrandt by Wm: Hogarth. / Publish’d According to Act of Parliament May 1st. 1751. bzw. And as he reasoned of righteousness, temperance, and Judgment to come, Felix trembled. / Plate 2. / Engraved by Wm. Hogarth from his Original Painting in Lincoln’s Inn Hall & Publish’d as the Act directs, Feb. 5. 1752. 26-42,4 x 35,3-52,6 cm.

Nagler 38/39; Abbildung Hogarth-Katalog Zürich, 1983, 74 (Bl. 2). – Bl. 2 mit den Merkmalen des 1752er 3. Zustands. Der gelöschte Text aus Pope des seltenen 1. Zustands, bei dem auch Felix’ Frau fehlt, noch andeutungsweise erkennbar. – Siehe auch die interessante, zum Öl bildrichtige Variante.

Harmonische Abdrucke auf festem, extrem (Bl. 1) breitrandigem Papier von der vom kgl. Kupferstecher James Heath (1757 London 1834) um 1822 überarbeiteten Platte („Selbst diese Abzüge sind heute aber relativ selten geworden“, Kunstgalerie Esslingen 1970; und Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., VIII [1888], 625: „Eine schöne Ausgabe“, geschätzt auch schon von zeitgenössischen Sammlern vom Range etwa eines A. T. Stewart [Catalog of the Stewart Collection, New York 1887, 1221, „fine plates“]).
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– – Dasselbe in Cook’s kleiner Fassung, davon das erste Blatt gestochen gemeinsam mit seinem Sohn. 1807/08. Bezeichnet: Hogarth pinxt. / T. Cook (& Son) sc(ulpt)., ansonsten wie oben. Bildgröße 13,2-13,9 x 17 cm.

Innerhalb des breiten weißen Plattenrandes geschnitten. Dieser im Außenrand schwach stockig.
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– – – Dasselbe als Arbeit des Göttinger Universitäts-Kupferstechers und Freundes G. A. Bürger’s, Ernst Ludwig Riepenhausen (1765-1840). Bezeichnet: Paul before Felix. / Designed in the rediculous manner of Rembrandt by W. Hogarth. / R. Sc. bzw. W. Hogarth pinx. / Riepenhausen del. sc. 18,2-19,2 x 23,1-24,3 cm.

Riepenhausen’s Arbeiten nach Hogarth ( „ sehr schätzbar “ ) zählen zu seinem Hauptwerk und werden tlw. sogar Hogarth’s eigenen Stichen vorgezogen. Hier auf besonders festem Papier, dessen breite weiße Ränder etwas altersfleckig sind, wohl um 1850.
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– – – Dasselbe von Riepenhausen wie vor, doch auf leicht getöntem minderen Papier.
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– – – Dasselbe in Stahlstich um 1840. 13 x 15,4-16,6 cm. – Serientitel in Deutsch + Englisch.
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„ im Internet habe ich in Ihrem Katalog das vorgenannte Werkverzeichnis … gefunden …
Mit Interesse habe ich auch Ihren offenen Brief an die Herausgeber der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24.7.2003 gelesen, zumal ich (bei früherer Gelegenheit) … mir … von der Frankfurter Allgemeine Zeitung den Vorwurf des ‚Kulturglobalisten‘ gefallen lassen mußte … “
(Herr A. G., 8. Dezember 2003)

