Ähnlichkeiten mit Ereignissen der Gegenwart nicht ausgeschlossen :
Der „ Versuch … die Willkür …
an die Stelle der rechtlichen Formen zu setzen “
wurde seinerzeit noch von Oberrichter Pratt
als ungesetzlich gestoppt
Hogarth, William (1697 London 1764). John Wilkes Esqr. Das Sitzporträt zeigt den Herausgeber des North Briton Journals, wenig schmeichelhaft, aber echt, in entschlossener Haltung mit dem auf langer Stange mitgeführten Freiheitshut. Auf dem Tischchen neben ihm die die Thronrede Georgs III. zerfetzende berüchtigte Nr. 45 des Blattes sowie die 17. Ausgabe, in der Wilkes das 1. Blatt von Hogarth’s Times kritisiert hatte. Kupferstich + Radierung. Bezeichnet: Drawn from the Life and Etch’d in Aquafortis by Willm. Hogarth. / Publish’d according to Act of Parliament May ye 16. 1763., ansonsten wie vor. 35,7 x 23,3 cm.
Harmonischer, breitrandiger Abdruck von der vom kgl. Kupferstecher James Heath (1757 London 1834) um 1822 überarbeiteten Platte („Selbst diese Abzüge sind heute aber relativ selten geworden“, Kunstgalerie Esslingen 1970; und Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., VIII [1888], 625: „Eine schöne Ausgabe“, geschätzt auch schon von zeitgenössischen Sammlern vom Range etwa eines A. T. Stewart [Catalog of the Stewart Collection, New York 1887, 1221, „fine plates“]).
John Wilkes
(Publizist, 1727-1797, und Held „der damals schon höchst wichtigen Zeitungspresse“)
„ gab … seit Juni 1762 die Zeitschrift ‚North Briton‘ heraus, in der er die Politik des Ministeriums (von Lord Bute) scharf geißelte und selbst die Person des Königs (George III.) nicht schonte. Der Staatssekretär Halifax erließ hierauf einen gegen die Habeaskorpusakte verstoßenden Haftbefehl, der nicht gegen eine bestimmte Person, sondern gegen die Urheber des Blattes im allgemeinen (Schriftsteller, Drucker und Verkäufer) gerichtet war. W. wurde darauf verhaftet; das Gericht aber ordnete seine Freilassung an … Dieser Ausgang war für ganz England insofern wichtig, als fortan die Haftbefehle ohne Namen beseitigt blieben. W. veranstaltete darauf einen Neudruck des ‚North Briton‘ … “
(Meyers Konvers.-Lex., 4. Aufl., XVI, 648 in großer Ausführlichkeit
und dies nach noch 130 Jahren !) .

„ … dieses Portrait, welches den Charakter dieses Mannes, wie er geschichtlich überliefert ist, vollkommen darstellt; man erkennt sogleich den ausgelebten Wüstling ohne alle Grundsätze, welcher die Volksgunst, die er durch Umstände und Keckheit gewann, zum Geldmachen benützte. Man erkennt auch neben dem Heuchler im Patriotismus den kecken Spötter …
„ Hogarth hat die Figur portraitiert, als Wilkes während des Processes, der ihn zum Helden der Freiheit machte, vom Tower vor den Gerichtshof der Common Pleas gebracht … wurde. Man sollte das Bild für eine Caricatur halten; dies ist aber nicht der Fall, denn alle Zeitgenossen erkannten sogleich die vollkommenste Aehnlichkeit … Das Blatt erschien (am 16. 5. 1763) während der Aufregung, die Wilkes’ Proceß bewirkte, und hatte deßhalb einen solchen Erfolg, daß mehrere tausend Abdrücke in der ersten Woche abgesetzt wurden …
„ Der persönliche Charakter von Wilkes war nicht von der Art, daß eine bleibende Achtung einem Manne wie ihm hätte zu Theil werden können …
Es fehlte ihm sowohl an Consequenz in politischen Grundsätzen ,
wie an Moralität im öffentlichen und Privatleben …
Als ruinierter Wüstling versuchte er den Weg, welcher bei der damaligen Zusammensetzung des Parlaments bis zur Reform gewöhnlich war; er bemühte sich in das Unterhaus zu kommen, um durch den Verkauf seiner Stimme und durch geschickte Benützung derselben bei Parteikämpfen ein Amt von der Regierung zu bekommen … Pitt’s (William Pitt I, 1708-1778) Schwager und College, Lord Temple, nahm sich seiner an, wahrscheinlich, weil er … dessen Fertigkeit in der Feder in der damals schon höchst wichtigen Zeitungspresse benützen zu können glaubte …
„ Er benützte die freie Presse … Seine hauptsächlichste Wirksamkeit begann jedoch (Juni 1762) mit seiner Zeitschrift: The North Briton, (die) bald als die gefährlichste Waffe der Opposition von der Regierung (Pitt) erkannt wurde … Durch persönlichen Einfluß des Königs wurde indes die Regierung bald bestimmt, einen Versuch zur Unterdrückung jenes Blattes zu machen … Die Minister benahmen sich bei dieser Angelegenheit auf eine Weise, welche
der Neigung des Königs zur Willkür entsprach ;
sie brachten ein altes Rechtsverfahren in Anwendung, welches während der tyrannischen Zeiten der Stuarts in solchen Fällen benützt worden war. Der Staatssekretär des Innern (Halifax) erließ einen sogenannten allgemeinen Verhaftsbefehl (general warrant) … Wilkes wurde verhaftet … Dies Rechtsverfahren war schon lange nicht mehr gewöhnlich und widerstrebte der Habeas corpus–Akte. Wilkes wußte dies sehr gut … Man brachte ihn in den Tower, allein mußte ihn bald darauf vor den Gerichtshof der Common Pleas stellen, wo der
Oberrichter Pratt die Ungesetzlichkeit der Verhaftung erklärte ,
so daß der Gerichtshof seine Freigebung dekretierte. Der Hof hatte hierin um so unverständiger gehandelt, da Staatsmänner anderer Art, da Leute, die zur bloßen Volksmasse gehörten, oder die Wilkes aus Parteirücksichten vertraten, sich ebenfalls dieses Mannes annahmen, weil sie mit Recht in jenem Verfahren einen Versuch erkannten,
die Willkür im gerichtlichen Verfahren
an die Stelle der rechtlichen Formen zu setzen “
(Lichtenberg, dessen sich die Republik zum 200. Todestag noch so arglos-dankbar erinnerte).
Geurteilt ohne Ansehen der Person, siehe oben, und der Institutionen. Und solchermaßen ein Lehrbeispiel der Geschichte, ein Qualitätssiegel für die Güte der Augenbinde Justitias, fördernd im Volke Rechtsempfinden, mehr noch, Rechtsgewißheit. Und damit nicht zuletzt eine Attacke gegen Politverdrossenheit als Ausfluß des Empfindens von einer „verkommenen Gesellschaft“ wie sie Hogarth auch in seiner Wahlfolge so treffend bloßstellte. Womit dieser sich, aufs jeweilige Heute übertragen, erneut als von
geradezu erschreckender Zeitlosigkeit und Aktualität
erwiese.
Und das résumé zu Wilkes
als geradezu einer Einladung zur Schärfung der Menschenkenntnis ?
Aber ja doch, dessen unverhohlenes Ziel war es, in den politischen Parteikämpfen sein Glück zu machen. Als er dieses Ziel schließlich mit dem einträglichen Amt des Chamberlain (Kämmerer) der Londoner City erreicht und sich in diesem behaglich eingerichtet hatte, „ersuchten ihn seine ehemaligen Freunde vergebens“, sich weiterhin ihrer Ziele anzunehmen, zog sich solchermaßen zurück und – so der unbestechliche Lichtenberg weiter – „wurde bis zu seinem Tode 1797 … mit Ausnahme von 1780, wo er übrigens eine ehrenvolle Rolle spielte … nicht weiter bemerkt … “
„ Man erkennt in ihm den unreinen Charakter, welcher die Aufregung des Volkes und die dadurch bewirkte Popularität zu seinem Vortheil benützte, und der sich sogleich zurückzog, als er eine einträgliche Stellung erlangt hatte. “
Und seine Anhänger betreffend gelegentlich seiner zweiten Bewerbung um den Parlamentssitz von Middlesex auf dem Wahlgerüst seinen Konkurrenten, Oberst Luttrel, befragt haben soll,
ob sich unter seinen (Wilkes) Anhängern inmitten des versammelten Wählervolks
„ mehr Narren oder Schufte … befänden “.
„ Der Oberst antwortete: ‚Ich werde dies sogleich sagen, damit es mit Ihnen aus ist.‘ – Als er aber bemerkte, daß Wilkes ruhig blieb, fügte er hinzu: ‚Sie können doch nicht daran denken, nur noch eine Stunde hier zu bleiben, wenn ich Ihre Worte bekannt mache.‘ – ‚Gewiß, Sie würden keinen Augenblick länger leben.‘ – ‚Wie so?‘ – ‚Ich würde sagen, Sie hätten gelogen, und der Pöbel würde Sie im Augenblick todtschlagen.‘ “
Soweit der Wahlkämpfer Wilkes. Gleichwohl, es sei ein drittes Mal plakatiert, gab er Oberrichter Pratt die Gelegenheit, den
„ Versuch (der Regierung) …
die Willkür … an die Stelle der rechtlichen Formen zu setzen “
als ungesetzlich zu stoppen .
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– – – Dasselbe in Kupferstich von Ernst Ludwig Riepenhausen (1765 Göttingen 1840, Univ.-Kupferstecher ebda.). Bezeichnet: 56 / W. Hogarth del. 1763. / R. f., ansonsten wie oben. 23,5 x 18,6 cm. – Abdruck auf leicht getöntem minderen Papier. – Riepenhausens Stiche nach Hogarth („sehr schätzbar“, Nagler) zählen zu seinem Hauptwerk und werden nicht zuletzt der Seitenrichtigkeit wegen den Hogarth’schen Kupfern teilweise sogar vorgezogen.
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– – – Dasselbe von Riepenhausen wie vor, doch in leuchtendem Abdruck auf besonders festem Papier, wohl um 1850.
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– – – Dasselbe in Lithographie. (1833/36.) Bezeichnet: Johann Wilkes. / Lith. v. C. F. Heinz. 25,1 x 14,5 cm. – Ausführlicher, indes die Vorgänge unrichtig bzw. entstellend wiedergebender Untertext in Deutsch.
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“ … And I also received your wonderful documents on Charles Le Brun and the other wonderful images including the three-legged deer. Wonderful. Thank you so very much! … ”
(Mrs. S. W., October 21, 2008)

