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Die  Macht  und  das  Parlament

Cromwell’s  symbolischer  Reichstagsbrand

Hogarth, William (1697 London 1764). Burning ye Rumps at Temple-Barr. Nieder mit dem Rumpf-Parlament. Die 1653er symbolische Verbrennung des 1648 von Cromwell als Meilenstein seiner weiteren Machtentfaltung von seinen presbyterianischen Mitgliedern gesäuberten Parlaments, das nunmehr Karl I. hinrichtete, statt Verhandlungen mit ihm zu pflegen und damit die puritanische Republik einläutete, die sich indes beinahe zu einer Cromwell’schen Monarchie gemausert hätte. Ort des Geschehens vom 20. April ist das Londoner Stadttor Temple Bar. Einer der Bilderstürmer mit den Convenant der presbyterian. Schotten in Händen, ein anderer hält das Panier hoch:

Down  with  the  Rumps .

William Hogarth, Hudibras burning Rumps at Temple Bar

Radierung + Kupferstich. (1726.) Bezeichnet: 11 (verlegerseits) / W. Hogarth. Inv delin et sculp (im Bildrand unten rechts) / Burning ye Rumps at Temple Barr. 27,7 x 51,6 cm.

HUDIBRAS XI. – Nagler 10-11. – 6 Vierzeiler-Untertext als gekürzter Auszug aus Butler’s Epos. – Abbildung Hogarth-Katalog Zürich, 1983, 11 (2. Zustand, Bezeichnung „im Bild unten links“!). – Abdruck auf starkem Papier von der vom kgl. Kupferstecher James Heath (1757 London 1834) um 1822 überarbeiteten Platte („Selbst diese Abzüge sind heute aber relativ selten geworden“, Kunstgalerie Esslingen 1970; und Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., VIII [1888], 625: „Eine schöne Ausgabe“, geschätzt auch schon von zeitgenössischen Sammlern vom Range etwa eines A. T. Stewart [Catalog of the Stewart Collection, New York 1887, 1221, „fine plates“]).

HUDIBRAS

„ ist ein verpöbelter (englischer) Don Quijote , ein entgeisteter Rabelais “

(Laaths, Geschichte der Weltliteratur, 1953, S. 375), eine „satirische Geißel“ (Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., III, 693/I) auf den politisch gerade abgehalfterten Puritanismus und das bekannteste Werk seines von Karl II. geschätzten Schöpfers,

SAMUEL  BUTLER

(Strensham, Worcestershire, 1612/13 – London 1680), als Ergebnis seiner Eindrücke in Diensten des Cromwell’schen Colonels Sir Samuel Luke, „bei welchem religiöse und politische Sekten ihr Wesen trieben“ (Meyers). Unvollendet geblieben, erschienen die ersten beiden Teile des Epos 1663/64, ein dritter 1678, dann, vereint, langlebig durch die Jahrhunderte. In jeweils drei Gesängen

„ in holperigen, meist achtsilbigen Couplets (später als ‚hudibrastischer Vers‘ bekannt) die lose zusammenhängenden, grotesken Abenteuer zweier Puritaner, des Ritters Hudibras und seines Knappen Ralpho, beschreiben(d). Hogarth hat zu diesem Gedicht zwei verschiedene Folgen von Illustrationen gestochen: zwölf grosse, sorgfältiger ausgearbeitete Kupferstiche, die er selbständig, unabhängig von einem Verleger geschaffen und im Februar 1726 herausgegeben hat, und siebzehn kleinere, die mehr Holzschnittcharakter haben und vermutlich früher entstanden, aber erst im darauffolgenden April in einer Gedichtausgabe erschienen sind. Diese folgen dem Verlauf der Handlung, während die grossen Blätter nur die entscheidenden Szenen mit einem gekürzten Textauszug als Legende wiedergeben … Epos und Bilder sind eine antiheroische Satire auf Puritanertum und Sektenwesen “

(Margrit Bachofen-Moser in Hogarth-Katalog Zürich, 1983, SS. 25 ff. bei Abbildung der großen Serie in teils abweichender Abfolge).

Die Hudibras-Folge – urteilen Thieme-Becker – ist für Hogarth’s „Entwicklung von entscheidender Bedeutung.

Hier  liegt  der  Schlüssel  zum  Verständnis  des  Satirikers  H. “

(Thieme-Becker XVII [1924], 300/II).

Und Austin Dobson in der Encyclopedia Britannica von 1911 :

„ Hogarth selbst schätzte diese Blätter hoch ein, und sie sind das Beste seiner Buch-Illustrationen. Aber er war viel zu individuell, um ein geduldiger Interpret von anderer Leute Gedanken zu sein, und seine Erfolge sind daher nicht in dieser Richtung zu suchen … (Und generell resümierend) Wenn wir ihn – wie er sich selbst zu sehen beliebte – eher als ‚Autor‘ denn als ‚Künstler‘ betrachten, ist sein Platz unter den großen Meistern der Literatur – bei den Thackerays und Fieldings, den Cervantes und Molières. “

Das  szenenreiche  Blatt

vom  Umgang  der  Macht  mit  Unbotmäßigkeit .

„ Die Verhandlungen, welche das Parlament (1648) inzwischen mit dem (gefangengesetzten) König (Karl I.) aufgenommen hatte, und die ihrem Abschluß nahe waren, riefen nach Cromwells Rückkehr aus Schottland neue Gewaltmaßregeln des Heers hervor … und (so wurde am) 6. und 7. Dec.

das  Parlament 

durch  Ausstoßung  aller  presbyterianischen  Mitglieder

gefügig  gemacht “

und zum „Rumpfparlament“ degradiert, um dasselbe aus anderem Anlaß fünf Jahre später

„ durch  Musketiere  auseinander  (zu)  sprengen “

was Gegenstand hiesigen Blattes ist, indes Cromwell sich an die Spitze eines neuen Exekutivrats stellte, sprich über das Parlament. Worin er sich schon acht Jahre zuvor geübt hatte. Denn als er aus durchaus gegebenem zeitlosen Anlaß im April 1645 mittels der sogenannten, Rücktritte zur Folge habenden

Selbstverleugnungsbill

für parlamentarische Sauberkeit sorgte, indem

„ kein  Parlamentsmitglied

ein  bürgerliches  oder  militärisches  Amt  bekleiden  durfte “

behielt „er selbst durch eine Ausnahmebestimmung das Kommando der Reiterei, den zweiten Posten in der Armee“, bei. Gleichwohl

„ die Nachwelt aber ist zu dem Urteil gelangt, daß C. einer der wesentlichsten Begründer von Englands Größe und einer der hervorragendsten Staatsmänner aller Zeiten gewesen ist “

(Zitate aus Meyers Konvers.-Lex., 4. Aufl., IV [1880], 344 f.).

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– – – Dasselbe. Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). Bezeichnet: Pl. XI. / Hogarth pinxt. / HUDIBRAS. / T. Cook & Son sc. / Published by Longman, Hurst, Rees, & Orme, May 1st. 1808. Bildgröße 11,2 x 19,5 cm.

William Hogarth, Burning the Rumps at Temple Bar (Hudibras XI) (Cook klein)

Cook „machte sich auch einen Namen als Hogarth-Stecher, dessen vollständiges Werk er … nachgestochen hat“ (Thieme-Becker) und dessen Ursprungsformat er im Gegensatz zu allen späteren Hogarth-Ausgaben – die den somit selteneren HUDIBRAS meist überdies nicht enthalten – in seiner ersten, früheren Ausgabe beibehielt. Für einige von Hogarth nicht selbst veröffentlichte Blätter wurde Cook zu deren Erststecher, wie er denn auch den Beifall eines zeitgenössischen Kenners wie Maximilian Speck von Sternburg fand. – Hier indes vorliegend in Cooks volkstümlicher späterer, kleinerer Fassung, bei der der Untertext durch den Serientitel ersetzt wurde. – Gegenüber dem, wie vielfach, sicherlich spiegelbildlichen Hogarth-Kupfer (wiederholte Linkshändigkeit) seitenrichtig, wie für Cook bekannt. – Innerhalb des breiten weißen, vorwiegend im Außenbereich etwas stockigen/gebräunten Plattenrandes geschnitten.

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