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„ Erregte  ungeheures  Aufsehen “

Hogarth’s  künstlerisches  Credo

Hogarth, William (1697 London 1764). Analysis of Beauty. Folge von 2 Blatt in Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). Bezeichnet: Plate I. (II.) / Designed by W. Hogarth. / Engraved by T. Cook / London Published by G. G. & J. Robinson Pater-noster Row August 1st 1798., Titel wie vor. 40-41,3 x 51,2-51,6 cm.

Hogarth-Katalog der Tate Gallery, 1971/72, 191 f. + Hogarth-Katalog Zürich, 1983, 76 f., jeweils die Hogarth-Fassung nebst Abbildungen.

William Hogarth, Analysis of Beauty I (Cook)

Hogarth’s unter geistigen Beistands seiner Freunde Hoadly, Townley, Morell u. a. an Hand zahlreicher Beispiele aus Kunst und Geschichte entwickelte Theorie über Schönheit und Stil („Natur ist, was immer dem Auge gefällt und es unterhält“) erschien unter Beifügung zweier verbildlichender Kupfer (Statuary’s Inn Yard + Country Dance) 1753 und „erregte ungeheures Aufsehen“ (Thieme-Becker), nicht zuletzt unter seinen Kritikern. Sie bildet sein künstlerisches Credo „worin er die Schlangenlinie (The Line of Beauty) als die angenehmste Form für das Auge darstellte und sogar die Linien bestimmen wollte, welche die Form des Schönen enthielten“ (Meyers Konvers.-Lex., 4. Aufl.). Diesbezüglich indes ist, so Nagler, „nicht alles neu, wie die Idee von der Wellenlinie. Er versinnlichte dieses durch eine gestochene Palette mit einer gebogenen Linie (siehe diese auch auf dem Selbstbildnis mit Hund), und als man ihm später sagte, dieses hätte man schon gewußt, (verwies) er (auf das der ‚Analysis‘ zugleich als Subskriptionsschein dienende 1752er) Blatt mit Columbus und dem Ei“. Résumé des Ganzen bildet die kleine Linienskizze 71 über die Haltung der Tänzer innerhalb der Randdarstellungen des zweiten Blattes.

Alles duchnumeriert, zeigt Blatt I die verschiedensten Figuren – darunter der ein Todesurteil unterzeichnende Richter Bathurst (wiedererscheinend in „The Bench“ von 1758), dem ein mit einem Galgen bewaffneter Knabe die Schleppe trägt – , Köpfe, Gliedmaßen, Pflanzen und sonstige Dinge. Als Vorbild der Lokalität diente der Skulpturenhof des Freundes Henry Cheere Ecke Hyde Park, „recalling Clito’s yard which was the setting of Socrates’ discussion of beauty in Xenophon’s Memorabilia“ (Cat. Tate Gallery).

William Hogarth, Analysis of Beauty II (Cook)

Gleichermaßen eingefaßt Blatt II mit seiner schönen ballmäßigen Darstellung des  englischen  Tanzes  (24-28,5 x 42,8 cm), an Hand dessen das Ideal von Schönheit + Anmut verdeutlicht wird. Und hier besonders dominant durch das vorn links ein wenig isoliert tanzende Paar, dessen Eleganz sich von dem eher bäuerischen Auftritt der übrigen Gesellschaft abhebt. Den Herrn übrigens verwandelte H. im 3. Zustand, nicht ohne Erwartung, in ein Portrait des zukünftigen George III. Auf dem Tanzboden, von den abgelegten Hüten der Herren tlw. verdeckt, auch das seidene Kissen als notwendigem Zubehör eines jeden Balles wegen des sogenannten Kissentanzes (cushion dance), einer Art von Cotillon. Als Vorbild dieser reichen Szenerie diente das Öl The Dance von ca. 1745 als Bild VI von The Happy Marriage.

Dies alles hier komfortabel präsentiert, da Cook – „machte sich auch einen Namen als Hogarth-Stecher“, Th.-B. – als einziger der postumen Stecher das Originalformat wahrte.

Bezüglich des geistigen Hintergrunds macht der Katalog der Tate Gallery u. a. – generell siehe dort SS. 74-76 nebst auch Vergleichsabbildungen – auch auf folgenden Aspekt aufmerksam :

„ The Line of Grace itself, a three-dimensional serpentine rhythm, is considered in the light of a psychology of the perception of form which remains perfectly credible, and indeed so relevant to the psychological aesthetics of modern art as to suggest that in Germany, where the Analysis was translated within a month, it contributed something to the mainstream of aesthetic, philosophy that it never has in Britain. It is true that ‚the Analysis is the first work … to make formal values both the starting point and basis of a whole aesthetic theory‘. Yet even this commendation places a limit on understanding the book. “

Der Oberrand auf Plattenkante geschnitten. Rückseits nur sehr partiell schwach stockig und nur auf Blatt II an zwei Stellen bildseits durchschlagend (ganz minimal links außen und nur unwesentlich mehr oberhalb des Tanzsaales).

Beiliegt: The Analysis of Beauty. Written with a view of fixing the fluctuation ideas of taste. (London 1803.) Gr.-2°. SS. 17-44 (cpl.). Ungebunden in Kartoneinschlag. – „Readers … find a richer and subtler book than current ideas if it lead one to expect“ (Tate Gallery a. a. O.).

Gleichwohl begegnete Lichtenberg dem Werk und seinem verschiedentlichen Aufscheinen auf anderen Blättern mit dem Bemerken, Hogarth „soll eine größere Eitelkeit hinsichtlich (der gemachten Entdeckung) gehegt haben, als auf jene Kunstwerke, die seinen Namen unsterblich machten“.

Angebots-Nr. 11.656 / EUR  510. / export price EUR  485. (c. US$ 561.) + Versand

William Hogarth, Analysis of Beauty I (Stahlstich)

– – – Dasselbe in Stahlstich um 1840. 13 x 15,5-15,9 cm.

William Hogarth, Analysis of Beauty II (Stahlstich)

Ohne Textbeigabe. – Blatt I leicht stockstippig und mit säurefrei hinterlegtem Kleineinriß im breiten Seitenrand.

Angebots-Nr. 7.824 / EUR  66. (c. US$ 76.) + Versand

Auch als Einzelblätter verfügbar :

Statuary’s Inn Yard (Analysis of Beauty I)
Country Dance (Analysis of Beauty II)


„ Herzlichen Dank für die sorgfältig verpackten Bände … “

(Herr H. M., 26. Mai 2007)