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Besuch  beim  Dr.  Pillenmann

Hogarth, William (1697 London 1764). Beim Quacksalber. Kuperstich von Carl Heinrich Rahl (Hoffenheim 1779 – Wien 1843). (1818/23.) Bezeichnet: 23. / Plate 3. 21 x 26,6 cm.

Marriage à la Mode III. – Das dritte Blatt dieser

„ schönste(n)  gemalte(n)  Satire  des  Jahrhunderts “

(Dobson in Thieme-Becker).

William Hogarth, Beim Quacksalber (Marriage à la Mode III; Rahl)

„ Der arme Mann ist in schöne Hände gerathen! Wir finden ihn bei dem Herrn Dr. Pillenmann … Ein Mädchen, das ihm als die pure liebe Unschuld … ausgehändigt worden ist, zeigt in jeder Miene die Ursachen, warum, von wem und wesshalb sie Pillen eingenommen hat; das Schächtelchen in ihrer Hand, in der des Grafen und zwischen seinen Knieen zeigt, wie viel verbraucht worden sind. Fürchten könnte man sich beim Dr. Pillenmann denn aus allen Reichen der Natur strömen die Gestalten entgegen … Neue Pillen werden am Ende doch alles ausgleichen müssen “

heißt es im Untertext einer deutschen Ausgabe, während Lichtenberg seine Betrachtung zu diesem Blatt mit den Worten schließt

„ Neben dem Giftschrank hat Hogarth, wie mich dünkt, vortrefflich, zwei Mumien hingestellt. Sie sehen offenbar mit stolzverächtlichem Blick auf alles Quacksalber-Gewühl und allen Arzneien-Wust dieser Welt, aus ihrer unendlichen Sicherheit, und nach ihrem tausendjährigen Frieden mit der heilenden Facultät, herab; und das kann man auch, wenn man – – eine Mumie ist.

„ Der auf die Erde hingeworfene Ueberrock und Hut des Herrn Doctors zeugt von Geschäftigkeit, Eile zu retten und großer Praxis “ .

Monsieur de la Pillule übrigens identifiziert als der berüchtigte Dr. Misaubin aus Hamburg, nicht allein Experte auf dem Gebiet der Franzosenkrankheit, sondern auch Erfinder zweier von der kgl. Akademie der Wissenschaften in Paris geprüfter und für gut befundener Maschinen: zum Einrenken von Schultern sowie zum Entkorken von Flaschen. „Durch ‚Entkorken‘ gelingt es, das Ansehen einer ‚Patientin‘ innerhalb der Gesellschaft wieder einzurenken“, sprich, gewisse Folgen wieder zu heilen (Katalog Zürich, in Abweichung von den üblichen Auslegungen hieraus die Möglichkeit einer zu besprechenden Abtreibung herleitend).

Auf dem Bord des Schrankes in Bildmitte Barbierschale, Uringlas sowie etliche anderweitige Kuriositäten. Über dessen offenem Flügel aber ein Dreifuß, wie er – siehe Industry & Idleness XI – zu Tyburn in Gebrauch war:

„ Es ist der bekannte Justiz-Dreifuß — der Galgen. Dieser Galgen nun schwebt da wie eine Glorie oder ein Wappen-Krönchen (Coronet), über drei Figuren, die den Menschen und vorzüglich die Werkstätte seiner Gedanken, nach den drei Hauptschichten seiner Zwiebelförmigkeit darstellen, in den Knochen, in der Haut und in der Perücke. Unglückseliger Weise ist aber hier die edelste Schicht, die Perücke, gerade die von unserem Herrn Doctor … Die Gruppe verträgt … mehr als eine Erklärung, aber unter dem Galgen weg erklären, läßt sich unser Herr Doctor durch keine. “

Bezeichnend genug für das ihn bald ereilende Unheil aber sitzt der junge Graf Squanderfield just vor dieser Gruppe:

„ Hinter  dem  jungen  Ehemann  braut  sich  gespensterhaft
sein  unheilvolles  Los  zusammen “

(Katalog Zürich).

Seitlich am Schrank ein Narwalzahn, über den Töpfen und Laden des Giftschrankes der Kopf einer Hyäne. Auf der anderen Seite geht der Blick in das Laboratorium mit verschiedenen Retorten. Unter der Decke hängend schließlich ein Krokodil – seit dem 1599er Holzschnitt-Frontispiz zu Ferrante Imperato’s Dell’historia naturale libri xxviii verbreitetes Merkmal von Wunderkammern (Florence Fearrington) – , das indes mit den Jahren die Feistheit aus Hudibras beats Sidrophel eingebüßt hat.

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William Hogarth, Beim Quacksalber (Marriage à la Mode III; Riepenhausen)

– – – Dasselbe in Kupferstich von Ernst Ludwig Riepenhausen (1765 Göttingen 1840, Univ.-Kupferstecher ebda.). Bezeichnet: 23. / W Hogarth inv. & pinx. / Riepenhausen del. & sculps. 23,5 x 28,5 cm. – Abdruck auf leicht getöntem minderen Papier. – Riepenhausens Stiche nach Hogarth („sehr schätzbar“, Nagler) zählen zu seinem Hauptwerk und werden nicht zuletzt der Seitenrichtigkeit wegen den Hogarth’schen Kupfern teilweise sogar vorgezogen.

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weitere Sujets der Folge in verschiedenen Qualitäten verfügbar


“ … and I wish to thank you for packing it so carefully … ”

(Mr. P. M., August 28, 2003)